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Von Gesichtspullovern und Puddingdampfern - Jugendsprache
Mantaplatte, Achselterror, Spargelstecher – die Jugendsprache folgt eigenen Gesetzen. Sie existierte schon zu Großmutters Zeiten und dient der Identitätsfindung und gesunden Abgrenzung zur Erwachsenenwelt.
Kommunikation folgt im Prinzip ganz einfachen Regeln: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog. Eine uralte Kulturtechnik, die sogar schon der Nachwuchs beherrscht. Mit einer Ausnahme: Teenies. So kommt ein bis dahin unbedarfter Kohlenbeschaffer (Elternteil) und erst recht ein Krampfadergeschwader (Großeltern) ganz schön ins Schwitzen, wenn der Sprössling sie plötzlich mit unbekannten Lauten zuföhnt (verbal behelligt).
Man fragt sich, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte.
Anfangs spricht der Säugling nicht, man kennt sich nicht und kann sich nicht unterhalten. Dann macht das Baby rasante Fortschritte in sprachlicher Hinsicht. Kaum zehn Jahre später stellen Eltern fest, dass die Kommunikation mit dem Kind starke Rückschritte macht. Noch nicht einmal deshalb, weil aus dem Babyzimmer seit ein paar Wochen massiver Garagenklang tönt. Man wundert sich an manchen Tagen einfach, ob der Sprössling überhaupt dieselbe Sprache benutzt wie man selbst.
Abgrenzung und Identitätsfindung
Der Grund dafür liegt in einem Phänomen, das sich flächendeckend
ausbreitet und ausschließlich den Sinn zu haben scheint, die Kommunikation
mit Erwachsenen zu erschweren: die Jugendsprache.
Da schnappt man dann stirnrunzelnd Wortschöpfungen auf wie Mantaplatte
(Pommes mit Ketchup), Achselterror (Schweißgeruch), Spargelstecher
(spitze Schuhe), Blechpickel (Zungenpiercing) oder Rentner-Bravo
(Apotheken- Rundschau).
Der Sinn von Jugendsprache ist es, sich gegen eine andere, offizielle Sprache
abzugrenzen. Man will gar nicht unbedingt verstanden werden. Elterliche
Versuche, in dieser Phase mit den Sprösslingen in eine Art unverschlüsselte
Kommunikation zu treten, kommen dem Versuch gleich, einem Goldfisch
hinter dem Glas des Aquariums das große Einmaleins per Zeichensprache
beizubringen.
Hä? Lexika sollen übersetzen helfen
Mittlerweile gibt es zwar sogar schon Lexika, die verzweifelten Eltern bei
der Verständigung mit ihrem Sprössling helfen sollen („Hä? Jugendsprache
unplugged 2010“, Langenscheidt). Wörter aus der Jugendsprache sind oft einfach
nur beißende Satire – wie das „Achselmoped“ (Deoroller), die
„Netzhautpeitsche“ (hässlicher Mensch), der Puddingdampfer (dicker Mensch) oder
der Gesichtspullover (bärtiger Mensch). Dennoch: Eltern sollten sich nicht
allzu viele Hoffnungen machen, mit einem solchen Wörterbuch die
Jugendsprache wie eine Fremdsprache zu verstehen, da sie nicht zu jedem
Wort eine Entsprechung hat. Noch dazu kursieren in jeder Stadt, Region, Schule
andere Jargons, denn die Jugendsprache existiert so wenig wie die Jugend.
Ganz locker bleiben
Gerade die Tatsache, dass es bereits professionell wirkende Lexika für die
Jugendsprache gibt, nährt den Verdacht, dass die Jugendlichen den Geheimcode
oft selbst nicht verstehen. Gerade im Bereich des Wortschatzes ändert sich die
Jugendsprache schnell. Wörterbücher zur Jugendsprache sind also immer nur
Momentaufnahmen und spiegeln nicht unbedingt den Übergang der Einträge in
die Alltagssprache. Die Klage über den Sprachzerfall ist uralt - und hätte sie
jeweils getroffen, würde sich unser Sprachausdruck nur noch auf ein paar
primitive Grunzlaute reduzieren.
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