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KOMMENTAR
Im Feature oder Report durchaus erlaubt, in der objektiven Berichterstattung aus Gründen der
journalistischen Sauberkeit jedoch tabu: Meinungselemente des Journalisten, im Berufsalltag meist Chefsache.
Dennoch: als emotionaler Klebstoff erhöhen sie die Lesefreude, geben Farbe in das Grau des Nachrichtenalltages
und geraten daher vielfach zum A und O einer Zeitung. Manche Zeitung leistet sich geradezu eine Spielwiese der
Meinungen und Debatten - teilweise sogar mit spitz formulierten Pamphlets, die einen groben Keil auf die Ereigneisse setzen.
Im Beispiel war die zugrunde liegende Meldung ein besonders hartes Brett:
„Fast jeder dritte deutsche Lkw ist bei einer groß angelegten Kontrollaktion beanstandet worden. Deutlich besser schnitten
die Busse ab, bei denen die Mängelquote nur bei 8,6 Prozent lag. Diese Ereignisse gab das bayerische Innenministerium am
Sonntag in München bekannt. Insgesamt hatte die Polizei im Freistaat 11 387 Lkw und 786 Busse überprüft. Dabei stellte
sie fast 3000 Verstöße fest.
Die Kontrolle ergab, dass ausländische Lkw deutlich besser, Busse dagegen deutlich schlechter abschnitten als deutsche.
So mussten zwar rund 30 Prozent der einheimischen Lkw beanstandet werden, aber nur knapp 20 Prozent der Lkw aus anderen
EU-Staaten und sogar nur 16,2 Prozent aus Drittstaaten. Bei Bussen aus anderen EU-Ländern lag die Mängelquote bei 10,3
Prozent, bei Bussen aus Drittstaaten sogar bei 18,5 Prozent.
Fast ein Drittel der festgesteellten Verstöße waren Geschwindigkeitsüberchreitungen. Spitzenreiter unter den Rasern war
den Angaben zufolge ein deutscher Lastwagen, der rund 45 km/h zu schnell gefahren war. 361 Lastwagen- und Busfahrer
verstießen gegen die vorgeschriebene Tageslenkzeit. Den Negativrekord erzielte ein deutscher Lkw-Fahrer, der 35 Stunden
ununterbrochen am Steuer saß. 682 Fahrzeuge wiesen technische Mängel auf; bei 158 waren sie so gravierend, dass die Polizeit
den Fahrern die Weiterfahrt untersagte."
Kommentar:
Was nützen Bußgeldvorschriften, wenn die Adressaten sie schlicht nicht zur Kenntnis nehmen?
So kommt es, dass Bayerns Polizei weitgehend ungehört darüber klagt, dass sie bei einer Kontrolle von rund 12000
Berufslenkern fast jeden dritten Lkw und 8,6 Prozent der Busse beanstanden musste. Ein paar Zahlen: ein Drittel Tempoverstöße,
361 Tageslenkzeit-Verstöße, 682 technische Mängel, 158 davon schwer.
Zahlen, die Klartext sprechen: Kontrollen sind weiter dringend notwendig und die verhängten Bußgelder offenbar
nicht hoch genug. Aber: geht es überhaupt um Geld? Dürfen Zeitdruck und Gewinnstreben dazu führen, dass Leben gefährdet
wird? Ein schläfriger Brummifahrer gleicht einer rollenden Zeitbombe. Spediteure aber kalkulieren oft bewusst Bußgelder
mit ein und sparen immer noch kräftig im Vergleich zu einer Mehr-Fahrer-Besatzung. Strafen sind hier so effektiv wie drei
über die Glatze gelegte Haare. Nötig ist die Umstellung von Kröpfchen auf Köpfchen- denn Menschenleben ist in Geld nicht
messbar.
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