Schwangerschaft
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PID: Gentests für Designer-Babys?


PID - ist das die Untersuchung an Embryonen, die uns künftig nur noch gesunde, schöne Designer Babys beschert? Soeben haben die Abgeordneten im Bundestag sich für die Gentests ausgesprochen, die es künftigen Eltern ermöglicht, einen Embryo auf Herz und Nieren untersuchen zu lassen.

Die Natur trifft die Entscheidung darüber, ob sich aus einer befruchteten Eizelle ein Mensch entwickeln soll, jeden Tag millionenfach und ohne große Debatte, schon gar nicht im Bundestag. Einfach so, und ohne die künftige Mutter oder gar den Vater zu fragen, geriert sich die Natur als „Vollstreckerin“ über die Frage, ob die ganz konkrete Kombination aus mütterlichen und väterlichen Genen eine lebensfähige Basis für das Entstehen eines Babys abgibt. Die Frage, die die Abgeordneten jetzt im Bundestag zu entscheiden hatten, war entsprechend heikel: Dürfen Paare das Einpflanzen eines künstlich gezeugten Embryos ablehnen, wenn aus diesem wahrscheinlich ein Baby mit einer bestimmten Krankheit entstehen würde?

PID – was ist das überhaupt?

Der Begriff PID (für Präimplantationsdiagnostik) ist nichts anderes als die Untersuchung des Erbmaterials eines Embryos, der künstlich im Reagenzglas gezeugt wurde. Der Arzt entnimmt in der Regel zwei Zellen aus dem Embryo zur Genanalyse mit dem Zweck, schweren Erbkrankheiten auf die Spur zu kommen. Die dem Embryo verbleibenden Zellen sollen sich schadlos weiterentwickeln können. Von den drei Gesetzesentwürfen hat sich die Mehrheit im Bundestag jetzt für die begrenzte Zulassung der PID entschieden: Die Gentests sollen nur bei schwerer erblicher Vorbelastung oder hohem Risiko einer Tot- oder Fehlgeburt durchgeführt werden dürfen.

PID: Urteil über behinderte Menschen?

Nur noch schöne Kinder, hochbegabt und charakterlich ohne Mängel - diese Vision dürfte eine der meistgefürchteten Konsequenzen der PID-Zulassung sein. Weitere Kritik: Die Genuntersuchung verletze die Gleichwürdigkeit behinderter, kranker und gesunder Menschen. Vom „lebensunwerten Leben“ ist die Rede, von der Würde des Embryos oder vom Schutz des Lebens als solches. Und nicht zu unterschätzen sei die seelische Belastung für Frauen, die es künftig noch schwieriger finden, sich für ein behindertes Kind zu entscheiden, gab etwa Caritas-Präsident Peter Neher zu bedenken.

Und wem nützt die PID?

Die PID betrifft vor allem Paare, die keine Aussicht auf eine natürliche Schwangerschaft haben oder die wahrscheinlich ein krankes oder nicht lebensfähiges Kind bekommen würden. Die Untersuchung ermöglicht es dann diesen Paaren, vor dem Einsetzen der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter der Frau zu prüfen, ob ein Gendefekt vorliegt oder nicht. Der Eingriff soll es den Frauen mit einem hohen Risiko von Fehl- oder Totgeburten ersparen, weitere belastende „Schwangerschaften auf Probe“ zu durchleben. Stattdessen werden der Frau nach einer Untersuchung nur solche Embryonen eingepflanzt, die mit Wahrscheinlichkeit zu einer gesunden und normalen Schwangerschaft führen.

Argumente pro und contra PID

Da sind auf der einen Seite die Paare, die einfach nur ein gesundes Kind statt eines mit hohem Krankheitsrisiko zur Welt bringen wollen. Auf der anderen Seite enthält die PID eine klare Wertung: Sie erklärt behindertes Leben als vermeidbar. Folgt dann daraus nicht eine Diskriminierung der Menschen mit Behinderung? Man könnte dagegen halten: Die Entscheidung für oder gegen das Einpflanzen eines Embryo ist eine individuelle Entscheidung der Frau mit dem nachvollziehbaren Wunsch nach einem gesunden Kind - keine Abwertung des Lebens behinderter Menschen. Argument pro: Auch die Fruchtwasseruntersuchung entscheidet über ungeborenes Leben– und ist inzwischen sogar zur Routine geworden.

Künftig nur noch „Kinder vom Reißbrett?“

Die Sorge, dass die PID nur der Anfang sein könnte für eine Zukunft der „Kinder vom Reißbrett“, mag zu den Horrorvisionen gehören, die nicht das Gewicht haben, einer Frau die Entscheidung für ein gesundes statt eines kranken Kindes zu versagen. Noch dazu geht es bei der PID gar nicht um Merkmale wie Intelligenz oder Schönheit: Der Arzt muss im Vorfeld genau wissen, wonach er sucht und kann zudem nur Genveränderungen erkennen, diese aber nicht selbst ändern.