REZENSION
Cornelia Franz: Luis & ich.
Verlag rotfuchs (02.05.2011)
Pappband, 128 S.
ISBN: 978-3-499-21592-6
€ [D] 9,99; € [A] 10,30
„Luis & ich“ von Cornelia Franz ist eine niedliche Familiengeschichte, die die Themen Geschwisterkinder und Familienzuwachs
aufgreift. In ganz leisen Zwischentönen scheinen wichtige Stationen in der Entwicklung von Geschwisterbeziehungen auf.
Es gibt Momente, da kann es ganz schön anstrengend sein, einen kleinen Bruder zu haben, findet Carlotta. Dann zum Beispiel,
wenn Luis seinen fünften Geburtstag nicht erwarten kann. Was Carlotta nicht ganz verstehen kann, weil das Alter, in dem man
als Mensch erst richtig ernst genommen wird, ohnehin erst bei sechs anfängt - dann nämlich, wenn man wie sie bald in die
Schule kommt.
Von Carlotta selbst freut sich allerdings nur die Hälfte auf die Schule, weil die immer so furchtbar früh anfängt, die
andere Hälfte freut sich gar nicht. Wie gut, dass Luis sich zum Geburtstag ein Kaninchen wünscht, was die Eltern im Prinzip
erlauben, vorausgesetzt es sind zwei, weil Kaninchen ja Gruppentiere sind. Doch als aus zwei Kaninchen plötzlich viele
werden, gerät die Ordnung der Familie ganz schön durcheinander.
Bei Luis und Carlotta kann man ein Phänomen beobachten: Ist die Geschwisterbeziehung gut, erziehen sich die Kinder auf
ganz erstaunlich wirksame Weise gegenseitig. Und wenn es darauf ankommt, halten sie ganz fest zusammen, auch wenn die
Situation noch so verfahren ist.
Cornelia Frank lässt die Geschichte aus der Perspektive von Carlotta, der größeren Schwester, erzählen. Das ermöglicht
den kindlichen Erzählstil, der ganz nah bei den Kindern ist – und sie vermittelt dem Leser eine liebenswerte Grundhaltung
gegenüber kleinen Brüdern: Wenn man noch nicht sechs ist, hat man keine Ahnung vom Leben, egal, wie schlau man ist.
Cornelia Franz wurde 1956 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Amerikanistik und vielen Reisen machte
sie eine Ausbildung zur Verlagsbuchhändlerin und arbeitete als Verlagslektorin.
Das Buch ist in einem festen Einband erschienen. Die wenigen Illustrationen von Annette Swoboda sind heitere Begleiter der
Geschichte, die auf den stabilen Seiten in sehr guter Druckqualität erscheinen.
Die Sprache von Cornelia Franz ist kindgerecht und humorvoll. Die vielen kurzen Dialoge und die heitere Sprache geben der
Geschichte einen schönen Erzählbogen. Kinder der vorgesehenen Altersklasse, die selbst Geschwister haben, dürften sich
wunderbar über die Protagonisten amüsieren, in denen sie ihre eigenen Handlungsmuster wiedererkennen.
Gesamturteil:
Nicht nur eine leichtgängige Erzählung, die erste kleine Erziehungsprobleme mit einem Augenzwinkern quittiert. Die Autorin
zeigt auch, dass sie ganz genau weiß, wie Kinder im Vorschulalter ticken und was die wahre Geschwisterliebe ausmacht. Vieles,
was auf den ersten Blick nur Details aus dem Leben der Geschwister zu sein scheint, markiert – genau besehen – schon
wichtige Stationen in ihrer Entwicklung. Das Besondere an der Geschichte: Die leisen Zwischentöne und dabei herrlich
entspannt. Unbedingt mehr davon!
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