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REZENSION




Antje Diller-Wolf: Alle meine Babys. 20 Hebammen erzählen vom schönsten Beruf der Welt.
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf (Mai 2011)
ISBN-13: 978-3862650149
Broschiert, 240 Seiten
€ [D] 9,95

In ihrem Buch „Alle meine Babys. 20 Hebammen erzählen vom schönsten Beruf der Welt“ lässt Antje Diller-Wolff 20 Hebammen zu Wort kommen. In Interviews mit niedergelassenen, angestellten und freiberuflichen Hebammen erhält der Leser einen spannenden Einblick in den Hebammenalltag.

Die 20 Kapitel geben Einblick in die Vielfalt der Hebammenarbeit und schärfen den Blick für die Philosophien der Frauen, die diesen Beruf ausüben. Methodischen Zugang schuf sich Autorin Antje Diller-Wolff über Interviews mit Hebammen, mit Stillberaterinnen, einer Hebammenschülerin sowie einer Ausbilderin. Antje Diller-Wolff fragte die Frauen nach den Gründen für ihre Berufswahl, nach ihrer Motivation und den besonderen Herausforderungen ihres Berufes. So beklagt sich eine Hebamme, wie durch „Risiko-Orientierung“ der ärztlichen Vorsorge etwas Wesentliches verlorengegangen ist: Eine Intuition, die alle Schwangeren haben und die dafür sorgt, dass sie das Richtige tun. Eine andere appelliert an das Vertrauen darauf, dass das Neugeborene weniger braucht als angenommen, denn sie weiß aus Erfahrung: Babys schlafen auch in Bananenkartons wie die Englein. Eine Stillberaterin berichtet von den Grabenkämpfen zwischen der Still- und der Flaschenfraktion, vom Wettkampf um Kaiserschnitt oder Spontangeburt, um Selbstgekochtes oder Fläschchennahrung. Mit einem Augenzwinkern teilt eine andere Kollegin die werdenden Väter in drei Kategorien ein - vom desinteressierten Macho bis zum Gluckenpapa, bei dem die Wehen am Ende selbst einsetzen.

Antje Diller-Wolff arbeitet als Reporterin, Autorin und Sprecherin unter anderem für Spiegel TV und den NDR. Durch Sozialreportagen über junge Mütter kam sie in Kontakt mit Hebammen, mit deren Hilfe sie eine neue Sicht auf Schwangerschaft und Geburt gewann.

Das Buch hebt sich wohltuend von der Masse der Schwangerenratgeber ab. Es vermittelt dem Leser eine völlig neue Perspektive auf die Fragen moderner Fast-Mütter und ist zugleich ein Spiegel der Schwangerschaft im 21. Jahrhundert. Mit den authentischen Geschichten wirbt Antje Diller-Wolff auf einer tiefen Ebene um Verständnis für die Arbeit der Hebammen. Der Leser erhält Einblick in den Wert der Hebammenarbeit und die Philosophie, die sich manche Hebamme aufgebaut hat - jenseits vom gleichförmigen Klinikalltag mit seinen hierarchischen und oft fragwürdigen Strukturen.

Gesamturteil: Das Buch ist nichts für Leute, die einen konventionellen Schwangerschaftsratgeber suchen oder ein Fachbuch für Hebammen lesen wollen. Wer sich hingegen für Insiderwissen aus dem Hebammenalltag interessiert und sich zugleich vom Leben mit seinen spannenden Geschichten unterhalten lassen möchte, liegt mit diesem Buch genau richtig. Mit der lebendigen Einbindung der Interviews in die einzelnen Kapitel zieht die Autorin den Leser in die Geschichten hinein. Mit einer beeindruckenden schreiberischen Disziplin zeichnet Antje Diller-Wolff zwanzigmal das Bild ein- und denselben Berufes - und dennoch abwechslungsreich und amüsant. Nur 20 von 18.000 Hebammen in Deutschland kamen zu Wort. Das Buch macht Lust, auch etwas über die restlichen 17.980 zu lesen.