Super Nanny
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„Die Super Nanny“: Kampf um Glaubwürdigkeit


Soeben noch soll sie die Menschenwürde verletzt haben - jetzt wurde Katia Saalfrank, bekannt aus der Doku-Reihe „Die Super Nanny“, mit dem „Blauen Herz für kinderfreundliches Engagement“ ausgezeichnet. Ist Deutschlands bekannteste Fernseherzieherin noch glaubwürdig?

Katia Saalfrank ist stets dann gefragt, wenn sie den Karren aus dem Dreck von krawalligen Kinderstuben ziehen soll. Jetzt wurde ihr zusammen mit der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin und der blauen Kinderfigur „Theo Tintenklecks“ eine Auszeichnung zuteil: Auf der „Brücke der Herzen“ Im Treptower Park Center Berlin erhielt sie das „Blaue Herz für kinderfreundliches Engagement“. Begründung: Ihr unermüdlicher Einsatz, einen Dialog zwischen den Generationen herzustellen. „Katia Saalfrank gibt den Kindern eine Stimme“, sagte der Vorstandsvorsitzende der City Stiftung Berlin, Siegfried Helias, in seiner Laudatio.

Tabubrüche - die Kameras halten drauf

„Wenn ich für Kinder etwas bewegen kann, ist Fernsehen ein gutes Medium“ erklärte Saalfrank. In Bewegung waren allerdings auch die Gemüter der Jugendschützer geraten, als eine Fünfjährige in einer Folge der „Super Nanny“ vom 5. Mai 2010 von ihrer Mutter geschlagen wurde – und das Kamerateam hielt drauf, ohne einzugreifen. Daraufhin hatte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) dem Sender RTL die Verletzung der Menschenrechtswürde vorgeworfen. Begründung: Der soziale Achtungsanspruch des Kindes sei verletzt worden. Kurze Zeit später hatte RTL Bußgeldbescheide in Höhe von insgesamt 30.000 Euro erhalten. Der Sender wehrte sich gegen die Vorwürfe und klagte gegen das Urteil.

Glaubwürdigkeit im Fokus

Die Auszeichnung wurde von einem bunten Kinderprogramm umrahmt. So erklärte die kleine Lara einem amüsierten Publikum, dass man einen Floh im Ohr nicht durch Insektenspray entfernen könnte. Die achtjährige Chiara-Maria unterhielt das Publikum mit ihrer Sologeige und die Kinder der Schule Thalia sorgten mit ihrer Elefantenparade für ein heiteres Unterhaltungsprogramm. Man könnte nun fragen, ob nicht das Ringen um Glaubwürdigkeit der eigentliche Zweck der Veranstaltung war: Auf der einen Seite lässt Katja Saalfrank es zu, dass ein Kind vor laufender Kamera geschlagen wird und setzt diese Gewaltszene respektlos einem breiten Publikum zur Unterhaltung vor. Auf der anderen Seite nutzt sie die Kinder - sehr medienwirksam - dazu, um ihre eigene Person hervorzuheben und ins rechte (und reine) Licht zu rücken. Und wenn Fernsehfiguren wie die „Super Nanny“ damit beginnen, sich auf diese Weise selbst in Szene zu setzen, geht ihre Glaubwürdigkeit zwangsläufig verloren.

Es geht um Grenzen

Es mag offen bleiben, wie die umstrittene Folge der Doku-Reihe in medienrechtlicher Hinsicht einzuordnen ist. Entscheidend dürfte etwas ganz anderes sein: Durch Sendungen im „Real-People-Format“ verschieben sich Grenzen - solche der Privatheit und Intimität. Es geht um die Hemmschwelle einer Gesellschaft, in der alles zum öffentlichen Konsumgut gerät und in der zunehmend Kinder medienwirksam „vernutzt“ werden. Eingeschaltet wird bei Sendungen wie der „Super Nanny“ nicht, um etwas über die richtige Erziehung zu lernen, sondern um sich - wenn auch nur unbewusst – die Bestätigung zu holen, dass auch andere mit ihren Problemen keinen Schritt weiterkommen. Das hat nichts mit Thematisierung und Beratung zu tun, sondern mit Voyeurismus. Hauptziel dabei: Die Erhöhung der Einschaltquoten.